Täglich ein Bild — 17.07.2022 — 198.Tag — Bild #198 — Dreizehnerlei Dreiecksblendenvariationen

Jürgen hat in einem Kommentar auf seinem Blog folgendes über die Aufsteckblenden geschrieben: „Momentan finde ich das Fotografieren mit den BlendenVorsätzen als schwierig, da vieles vom Zufall abhängt und fotografische Kontrolle anders aussieht. Ich muss mich wohl noch etwas tiefer hineinwuchsen.“

Da kam mir die Idee Euch anhand von 13 Bildern zu zeigen, wie sich so eine Dreiecksblende bei underschiedlichen Bedingungen verhält. Am Ende habe ich einige Erkenntnisse zusammengefasst, die einem helfen, den Zufall ein wenig berechenbarer zu machen.

Alle 13 Bilder sind im Laufe des heutigen Tages entstanden.

Bild #198a

Das Bild #198a ist um die Mittagszeit entstanden. Entfernung ca. 50cm zum Blatt. Direkt Richtung Sonne fotografiert. Das Dreiecksbokeh wird nur schwach angedeutet.

Bild #198a

Bild #198a ist gegen 13 Uhr im Garten der Schwiegereltern entstanden. Entfernung ca. 70 Zentimeter. Im Hintergrund (ca. 6m entfernt) wächst Wein. Das Sonnenlicht wurde von den Blättern reflektiert und haben dadurch das Dreiecksbokeh hervorgerufen.

Bild #198c

Der Hintergrund der Taglilie lag im Schatten, daher sieht man fast kein Dreiecksbokeh.

Bild #198d

Die Tomatenrispe in #198d zeigt etwas Flare und ein mäßiges Dreiecksbokeh. Die Pflanzen im Hintergrund waren vielleicht 2m entfernt.

Bild #198e

Die Gläser auf dem gedeckten Mittagstisch waren ca 40 cm entfernt. Im Intergrund (ca 4m entfernt steht ein Mirabellenbaum, dessen Blätter das Dreiecksbokeh erzeugen.

Bild #198f

Die Tischdeko war nur wenige Zentimeter von den Gläsern entfernt, im Hintergrund waren kaum Blätter, die das Licht reflektieren konnten. Man sieht, dass es nicht so viele Dreiecke im Bokeh gibt.

Bild #198g

Diese Pflanze stand eigentlich sehr ungünstig. Das dominierende Dreieck wurde durch eine Reflektion von einem parkenden Auto in ca 20 m Entfernung verursacht. Das Gegenlicht hat einen Lichtstrahl (Flare) in der Linse erzeugt.

Bild #198h
Bild #198i

Mit den beiden Brombeerbilder möchte ich zeigen, dass eine leichte Standortänderung (vielleicht 30 cm zur Seite gegangen) ein komplett anderes Bokeh erzeugt.

Bild #198j
Bild #198k
Bild #198l

Gegen 17 Uhr waren wir wieder zurück und die untergehende Sonne hat den Zierahon relativ „flach“ angestrahlt. Das hat schöne Reflektionen erzeugt.

In Bild #198l habe ich so lange die Kamera hin und her bewegt, bis ich möglichst viele bunte Dreiecke erzeugen konnte. Dabei sind die Blätter oben ein wenig aus dem Schärfebereich geraten.

Bild #198m

Im letzten Bild #198m habe ich die wilde Malve fast im Gegenlicht fotografiert. Im Intergrund war nur Rasen, d.h. es gab kaum Lichtreflektionen und somit keine Dreiecke im Bokeh.

Was kann man daraus lernen?

  1. Die kleine Blendenöffnung lässt den Sensordreck erkennen (sollte ich endlich mal beseitigen)
  2. Dreiecksbokeh (gilt aber generell auch für alle Arten von Bokehformen) sind Lichter im Hintergrund von nöten. Spitzenlichter und/oder Reflektionen sind da ideal.
  3. Kleine Standortänderungen oder Blickwinkeländerungen können extrem große Unterschiede im Bokeh hervorrufen.
  4. Das eigentliche Motiv sollte relativ nah sein (50-150cm). Bei Landschaftsbildern und Bilder in Mitteldistanz tritt dieser Bokeheffekt eigentlich nie auf, da muss man sich erst gar nicht groß darum bemühen.

Kamera: Sony NEX 5
Objektiv: #142 Heidosmat f2.8 85mm MC adaptiert mit einem 3D-Druck M42-Selbstbauadapter mit Dreiecksblende

Wer macht bei dieser 365-Tage Herausforderung ebenfalls mit?

Wie es dazu kam: Wer möchte mitmachen? — Täglich ein aktuelles Bild 2022

24 Comments

  1. Ich kann nur stauen über die wunder, die so passieren ohne das „man“ sie sieht. Wie hat der Paul Klee mal gesagt? „Kunst macht sichtbar!“

    Die Dreiecksblende macht sich selber gar nicht wichtig, sondern unterstreicht nur das gemeinte Objekt und macht ein erleuchtendes Hintergrundlicht.

    Bild #198l ist Dreiecks Fotomalerei vom Feinsten.

    Die rosa Malve ist eine Sommerfee.

    Toll die Dreiecksblendenerklärung dazu.

    Mit diesen Bildern hupf ich jetzt entspannt ins Bett!

  2. Lieber Bernhard! Da hast Du Dir ja richtig viel Mühe gegeben und einen kleinen fotografischen Lehrgang auf die Beine gestellt. Vielen Dank dafür. In Kombination mit dem schon gesetzten Link zum Thema “Bokeh” hilft mir das weiter und ich werde in den nächsten Tagen das als Grundlage nehmen um weiter zu experimentieren. Dein Beitrag hilft sehr.
Liebe Grüße
Jürgen

  3. Vielen Dank, lieber Leo,

    für die Parade der schönen Bilder und die Vergleiche und Erläuterungen dazu!
    Da hast Du Dir aber viel Zeit genommen, das für uns so auseinanderzupflücken😉👌. Und daß Du das im nachhinein alles so genau noch weißt, mit den Abständen der Pflanzen usw., 🤓 🎩 Chapeau!

    Bei 198 g ist man übrigens fast in Versuchung, „den Film anzuwerfen“! 😉😁

    Liebgruß
    Diega
    🐯

  4. Von Dir kann man echt noch was lernen. Meine DSLR liegt ungenutzt rum. Irgendwie mach ich nur noch mit dem Handy Fotos.

    LG Su

    1. Oh, dann greif mal wieder zur Spiegelreflexkamera, dann hätte sich der Artikel mehr als gelohnt, liebe Susanna

      LG Bernhard

  5. Das war eine Superidee, lieber Bernhard, uns die Dreiecksblende näher zu bringen. Jetzt habe ich gerade selbst Lust mit so etwas zu experimentieren. Ganz herzlichen Dank.
    Herzlich, do

  6. Lieber Bernhard, da hast du dir aber viel Mühe gemacht. Ich mag die Bilder auch alle, obwohl mir dieses Dreiecksbokeh letztlich doch zu dominant ist. Bild #198a (b)? – also die Dahlie gefällt mir mit am besten.
    Liebe Grüße – Elke

  7. Lieber Bernhard,

    das sind ganz tolle Effekte. Mir gefallen Deine Fotos grundsätzlich alle. Besonders schön finde ich es aber, wenn der Effekt etwas dezenter eingesetzt wird.

    Liebe Grüße
    Jutta

  8. Ein sehr interessantes Experiment. Die Bilder gefallen mir gut. Insbesondere das 2., 5., 7. und 8. sowie das letzte Bild gefallen mir gut.

    LG
    Sandra!

  9. Tolle Effekte und wieder sieht man, wie das Fotografieren vom Licht abhängig ist und dadurch die Farben treffen. Klasse sieht es aus, wenn auch das Motiv Dreiecksformen beinhaltet.

    Liebe Grüße,
    Syntaxia und Felix

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

:bye:  :good:  :negative:  :scratch:  :wacko:  :yahoo:  B-)  :heart:  :rose:  :-)  :whistle:  :yes:  :cry:  :mail:  :-(  :unsure:  ;-) 
 

* Hiermit stimme ich den Datenschutzbestimmungen dieser Seite zu. IP Adressen werden im Kommentarbereich automtisch gelöscht.

The maximum upload file size: 4 MB. You can upload: image. Links to YouTube, Facebook, Twitter and other services inserted in the comment text will be automatically embedded. Drop file here

%d Bloggern gefällt das: