Kreativitätsloch — Wie damit umgehen

Last Updated on 30. März 2026 by Der Löwe

Bild #1 – Mein Kreativitätsloch

Wer kennt es nicht. Auf einmal macht das Fotografieren keinen Spaß mehr, es artet in Stress aus. Dann gibt es noch andere Dinge, die wichtiger sind als das Hobby. Was tun? Hobby aufgeben? Damit auch das Bloggen? Ich möchte Euch auf die Reise ins Kreativitätsloch mitnehmen und wie ich hoffentlich wieder dort rauskomme. Wenn Ihr ähnliches erlebt habt, würde ich mich freuen wenn Ihr das mitteilen würdet. Vielleicht entsteht dadurch eine Krativitätslochselbsthilfegruppe (KLSHG). Wie fing alles an?

Es ging schon 2024 los, es gab von mir immerhin noch 141 Beiträge hier auf diesen Blog, ein regelrechter Absturz gegenüber 2021, mit fast 1400 Beiträgen. in 2025 ging dann fast gar nichts mehr, nur noch 34! Beiträge. Ich hatte keine Lust mehr etwas zu bloggen, geschweige zu fotografieren.

Welche Indikatoren haben auf das Kreativitätsloch im Rückblick hingedeutet, lange bevor ich mir dieses Problems bewußt war.

Es fing an, dass Ich die Kommentare nur noch mit großen Verzögerungen beantwortet, manche gar nicht beantwortet habe. Die Kommentare, das Beantworten derselben und die Gegenbesuche wurden zu einer Last, zu einer Pflicht die langsam alles erstickte.

Eine Folge davon war, einfach keine Beiträge mehr zu veröffentlichen. Keine Beiträge, keine Kommentare, eine echt verquere Logik. Dann litt das Fotografieren drunter, wenn ich mal eine Kamera zur Hand nahm wurde zwar geknipst (ich sage das bewußt so) aber nicht mehr fotografiert. Die Bilder blieben größtenteils auf der Speicherkarte der Kamera, wurden nicht mehr übertragen und auch nicht mehr bearbeitet. Ebbe, nada, nichts ging mehr.

Parallel dazu gab es im persönlichen Umfeld anderes zu tun. Wie Ihr wisst bin ich jetzt der LeOpa (eine Kreation von Tiger Rita). Sprich da war ein Enkelchen da und alles andere war damit zweitrangig. Es ist eine Freude, so ein Kind heranwachsen zu sehen. Dann war da noch die Altersteilzeit und Umstrukturierungen in der Arbeit.

Neue Arbeitswelt, ein Inder in Shanghai wurde mein neuer Vorgesetzter. Da ich mit Ihm über die Jahre ein sehr gutes Verhältnis hatte, war die persönliche Umstellung nicht das eigenliche Problem. Das Arbeitsteam, das ich leitete war weltweit verstreut, China, Indien, Vietnam, Polen, Brasilien, teilweise Mexico und ja, auch ein paar Deutsche gab es.

Alleine die Zeitzonen war eine Herausforderung, Englisch war daher die einzigste Sprache mit der man sich verständigen konnte, allerdings blieben viele sprachliche Feinheiten auf der Strecke, da niemand ein englischer Muttersprachler war.

Kurzum, es gab viel zu tun und ich hatte gefühlt immer zu wenig Zeit für irgend eine Sache. Das betraf auch mein zweites Hobby, den 3D-Druck. Es wurden keine alten Objektive mehr adaptiert.

Als 2025 zu Ende ging, war es mir als wäre ich mit meinen Tätigkeiten noch mitten im Jahr, so im Juli/August herum.

Und dann lage erwartet und doch unerwartet begann Anfang 2026 meine Passivphase der Altersteilzeit. Erst fühlte ich mich wie im Urlaub, dann realisierte ich, hey junger Mann, das Arbeitsleben ist nun hinter dir. Keine Morgenmeetings mit China und keine Abendmeeting mehr mit Amerika.

Endlich Zeit zum Nachdenken. Nachdenken über das, was mir früher am Fotografieren Freude und Entspannung bereitet hat.

Für mich war es der Startpunkt sich aus der Pfütze des Kreativitätlochs zu bewegen. Das Bild#1 ist ein Ergebnis davon. Ich überlegte mir, welches Bild würde die Stimmung meines Kreativitätsloches am Besten widergeben.

Loch, wo gibt es passende Löcher? Schlaglöcher! Man, warum bin ich nicht gleich darauf gekommen. Aber nun, wie fotografieren? Mit dem Smartphone? Nee, das macht keinen Spass, passt nicht zu mir. Es muss so ein verrücktes Objektiv sein, dass ich adaptiert habe. Also habe ich eine Kamera mit entsprechendem Objektiv genommen.

Es war die Kamerakombination, mit der ich schon einige Bilder für das PingPongPeng-Projekt mit Buchalov sprich Jürgen verwendet habe.

Überigens, Jürgen war es, der mich „positiv“ mit seinen Anfragen per Mail „genervt“ hat, mit dem Projekt weiter zu machen. Und da war dann auch noch ein Tiger, der den Löwen ebenfalls genervt hat. Vielen Dank Euch beiden, so habe ich dann doch ab und zu einen Beitrag gebloggt, vielleicht wäre ansonsten alles hier eingeschlafen.

Das Bild#1 hatte ich schon so vor Augen, bevor ich dasselbe entdeckt hatte. Einmal runter in die Knie, nur nicht in die Pfütze fallen, das wäre gar nicht kreativ, ein einziges Bild gemacht, das muss passen.

Warum nur ein einziges Bild? Weil man sich schon vorher mit dem Bild auseinandersetzen muss, das nenne ich fotografieren, alles andere ist meiner Meinung nach ein rumgeklicke.

Beim Nachdenken überlegte ich mir, was hat Dir damals 2020/2021 so viel Freude beim Fotografieren gemacht?

Es war das Ausprobieren alter Objektive an digitalen Kameras. Je „schräger“ die Ergebnisse waren um so mehr Spaß hat es gemacht.

Dann war da noch der 3D-Drucker, mittels dem ich selbstkonstruierte Adapter erstellt habe um „unmögliche“ Objektive, Linsen, eigentlich alles was Licht bricht, vor den Sensor zu bringen.

Und dann wurden Motive gesucht, um die „Defekte“ dieser Optiken zur Geltung zu bringen. Ich nenne es Charakter, also genau das Gegenteil von klaren, technisch und optisch perfekten Bildern. Fotographische Regeln wurden von mir bewußt mißachtet.

Und so habe ich mir vorgenommen, mich auf die Anfänge meines Schaffens zu besinnen. So eine Art „Back to the roots“. Und Ihr dürft Euch dann herrlich ärgern über geswirlte, unscharfe, flarige, bubbelige und weis ich was noch für „schräge“ Bilder.

Ich hoffe, dass ich damit wieder der „alte“, „verrückte“ Bastler und Fotograf werde. Und noch viele Klapperatismen zusammenbastle. Es warten ja noch einige hundert Objektive hier vorgestellt zu werden! Ja richtig, mehrere hundert!

Hätte ich nur den Untertitel meines Blogs rechtzeitig beherzigt: „Ein experimentell kreativer Fotoblog über Optik und Photographie“.

Im nachhinein ist man immer schlauer.

Somit nehme ich Euch nun mit auf meine Reise, wieder Spaß und Freude am Hobby Altglasfotografie und optischen Experimenten zu haben.

Bild #1 ist entstanden mit:
Kamera: Sony NEX5
Objektiv: #293 Astro-Kino-Color IV f1.6 50mm mittels 3D-Druckadapter auf M42 short adaptiert

24 Comments

  1. Immerhin gut, dass auch Du zurück zu den Anfängen gefunden hast. Es braucht Kreativitätspausen, um sich wieder auf das Wesentliche konzentrieren zu können. Ich bin immerhin gespannt, wie es mir in ca. 1 Jahr und drei Monaten geht, wenn ich nach 33 Jahren Sicherheitsarbeit mich nicht mehr kümmern muss. Ein Loch tut sich hoffentlich nicht auf. Deins ist ja auch mit Wasser gefüllt. Nass, aber voll. Meins wird mit ein bisschen Kreativität gefüllt sein und nicht nur durch Gassirunden. Enkel kann ich nicht bieten. Zumindest auf absehbare Zeit. Der Nachwuchs wäre da, will aber nicht. Also lass ich die Motive mich finden und hoffe, die Kameras spielen mit und die Investitionen halten sich in Grenzen.
    LG aus dem noch nicht ausgelaugten und nicht verrenteten Westfalen
    Michael

    1. Sich so treiben zu lassen, sprich die Motive finden einen, ist auch eine Art von spontaner Kreativität, lieber Michael

      LG Bernhard aus dem schlaglochigen Neckartal

  2. Hallo Bernhard!
    Mann oh Mann: da hat sich aber einer seine Last von der Seele geschrieben. Richtig so!

    Das es sich um ein Kreativitätsloch handelt glaube ich eigentlich nicht. Die Selbsthilfegruppe würde ich vergessen. Den roten Faden wieder aufgreifen, dass scheint mir der richtige Weg. „Back to the roots“, genau. Denn dieses Experimentieren, das Spielen mit dem Zufall, die Basteleien, das Herumfummeln, das Schräge: das ist ein Zeichen von Lebendigkeit. Und wenn Du daran wieder anknüpfen kannst, wird alles gut.

    Und was mein nerven anbelangt hat: ich bin froh, dass Du es als Unterstützung empfunden hast. Ich habe Dir zu danken.

    Alles Gute, Liebe Grüße
    Jürgen

      1. Klare, der eine Sorgt für die Sicherheit und der andere für Linsenchaos, lieber Michael :yahoo:

        LG Bernhard aus dem sicherheitschaotischen Neckartal

  3. Schön, dass du wieder aus dem nassen Loch gekrabbelt bist Bernhard.
    Jetzt, ohne Job im Nacken, können deine Ideen bestimmt wieder besser sprudeln. Die Anfänge sind zumindest gemacht.
    LG, Nati

  4. Hallo Bernhard,
    ich würde mich freuen, wenn man mal wieder öfter etwas von dir liest und sieht. Dein „Kreativitätsloch“ war ja mehr als offensichtlich, aber alles hat seine Zeit. So schlimm war es bei mir nie, aber Ende 2025 hatte ich zumindest eine ähnliche Phase. Danach habe ich die alten Websites gelöscht und neu angefangen. Du bist also nicht auf meinem Parallelblog gelandet, sondern auf der einzigen und neuen Seite. Und ich sehe, auch du hast hier zumindest ein neues Theme gewählt. Das gefällt mir gut, besser als das vorherige.
    Herzliche Grüße – Elke

  5. Ein Bernhard, der sich nicht mehr geheimnisvoll im Loch versteckt! He das finde ich großartig, dass du „uns“ – also deine Blogfans, als Gesprächspartner-innen erwählt hast :heart:

    Egal, was du „knipst“ – der „bewegliche“ Header von deinem Blog lässt erkennen, dass du einen „Auftrag“ hast.

    Wie hat doch der Paul Klee gesagt: „Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, Kunst macht sichtbar.“

    Noch ein Zitat: „Dekorationen bieten keinen Trost“ (Emil Nolde).

    Und noch eins. „Ich suche nicht, ich finde.“ (Picasso)
    Der hat auch gesagt:
    „Man braucht sehr lang, um jung zu werden.“

    Es gibt übrigens ein ganzes Buch mit dem Titel:
    „Die Angst des Künstlers vor der weißen Fläche“

    Schön, dass du mit dem Bernhard-Löwen-Schwan wieder aus der Pfütze aufgetaucht bist :good:

    LG Dorothea

    P.S.:
    Zu mir hat mal eine Freundin gesagt:

    „Pack dich am eigenen Schopf und zieh dich raus!“

    He, das ging!

    Ich grüße dich aufs Herzliste

    und finde das Pfützenloch richtig gut – speziell auch mit dem Text und Titel dazu. Also nicht nur Photograph, auch Geschichtenerzähler bist du *********

    1. Na ja, ich und Geschichten, schau mir mal die Deutschnoten an, völlig unterirdisch, liebe Dorothea

      LG Bernhard

      1. Deutschnoten haben kaum das letzte Wort zu sagen.
        Ich erinnere mich, dass ich in deinen Fotos manchmal Geschichten lese – siehe z.B. „Bernhards Bankenfimmel“ oder „Gotik“ ..

    1. Hallo Karsten, es freut mich, dass Du hier her gefunden hast. Und vielen Dank für Deinen aufmunternden Kommentar.

      LG Bernhard

  6. Lieber Bernhard,

    dieser Abschnitt hätte tatsächlich auch von mir stammen können:

    „Es fing an, dass ich die Kommentare nur noch mit großen Verzögerungen beantwortet, manche gar nicht beantwortet habe. Die Kommentare, das Beantworten derselben und die Gegenbesuche wurden zu einer Last, zu einer Pflicht, die langsam alles erstickte.“ Insbesondere den letzten Satz kann ich sowas von fühlen.

    Genau so habe ich es ebenfalls erlebt. Irgendwann merkte ich, dass nicht nur das Bloggen anstrengend wurde, sondern auch das Fotografieren selbst.

    Ein wesentlicher Schritt für mich war deshalb die Umstrukturierung meiner Website. Ich blogge weiterhin, allerdings ohne Kommentarfunktion. Stattdessen können Leserinnen und Leser über einen E-Mail-Link am Ende der Beiträge direkt mit mir Kontakt aufnehmen – und das wird tatsächlich genutzt. Dadurch ist viel Druck verschwunden.

    Auch meine Haltung zum Fotografieren hat sich verändert. Früher habe ich oft Bilder veröffentlicht, damit überhaupt etwas Neues zu sehen ist – im Grunde habe ich eher für andere fotografiert. Heute fotografiere ich in erster Linie für mich. Veröffentlicht wird nur noch, wenn ich wirklich von den Bildern überzeugt bin. Wenn es nichts zu zeigen gibt, bleibt die Seite eben still. Dieser Leerraum darf existieren.

    Interessanterweise hat genau diese Haltung meiner Fotografie gutgetan – im Grunde auch eine Art „Back to the roots“, wie du es in deinem Artikel beschreibst.

    Blogs, die ich früher gern gelesen habe – wie deinen – besuche ich weiterhin, meist als stille Leserin. Dein Artikel hat viele Gedanken bei mir wieder wachgerufen und mir gezeigt, dass man mit solchen Phasen nicht allein ist.

    Liebe Grüße
    Sandra!

    1. Liebe Sandra,

      hurra, wieder etwas von Dir zu hören :heart: Anscheinend haben viele Blogger ähnliche Probleme, manche hören ganz auf und andere besinnen sich auf die Ursprünge.

      Muss dringend mal wieder bei Dir vorbeihopsen.

      LG Bernhard

  7. Mir geht es tatsächlich wie meiner Vorschreiberin. Ich habe auch schon bei vielen Posts die Kommentarfunktion weggenommen. So bleibt mir die Freude an einem Foto/Bild was mir gefällt und wenn es tatsächlich einer anklickt, kann sich das Werk ohne Zwang anschauen. Für Redebedarf bleibt ein fester Beitrag die Woche.
    LG Christiane

  8. Fortsetzung der Infomail:
    Ich habe tatsächlich auf Verdacht geklickt, und hier im eigentlichen Post ist alles wieder gut zu lesen. Also okay, ich komm damit klar, daß die Startseite so „überkritzelt“ ist. Inilimm! 😀 Wenn es ja nur das Deckblatt so-to-say ist, mach Dir also kein‘ Stress! Ist wohl nur für Handynutzer so komisch unleserlich auf der Startseite.

    Ansonsten :
    Froh, daß Dein Winterschlaf vorbei, juchu, juchhei! 👯🎉😍

    Liebgruß
    Tiger
    🐯

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